Ah, meine Freunde, seyd mir willkommen

Wie ist es Euch ergangen? Ihr möchtet eine Geschichte hören? Nun denn, so lauschet meinen Worten…

Erneut möchte ich Euch von den Swadde Spoekelbiestern und ihrem letzten Abenteuer erzählen. Sie fanden sich um das Ende des fünften Monats zur Wallfahrt zu Arche Warder zusammen, und begannen somit ihre jährliche Wanderschaft. Acair, Selena und Mim trafen als erste ein und begaben sich sogleich an den Aufbau der Schlafstätten, Arnvidh konnte sich erst gegen Abend dazugesellen. Seine Holde, Breanna, hütete das heimische Feuer. Schon während der Herrichtung des Lagers, wurde den Swadde Spoekelbiestern von den Windgeistern übel mitgespielt. So sorgten sie dafür, dass sich das Aufstellen der Schlafstätten als erste Herausforderung herausstellte, und sogar der ein oder andere der Bande unter dem Leinen auf dem Boden wiederfand. Doch keine Aufgabe ist zu groß und schlussendlich war alles aufgestellt, verzurrt und eingeräumt. Und so wandte man sich dem Tagesabschluss zu. Die Feuer wurden entfacht, das Fleisch wurde gebraten und der Met ergoss sich in die Humpen. Es dauerte nicht lange und die ersten Bekanntschaften wurden geschlossen, geschuldet einem rauchenden Feuer und der Interpretierung desselbigen als Rauchzeichen unter Sabbelwasser. Die Männer und Frauen von „Vi er Venner“ traten zum ersten Mal in das Leben der Swadde Spoekelbiester, und es sollte nicht das letzte Mal in diesen Tagen sein. Doch jeder Tag endet irgendwann und so auch dieser. Voller Freude wurde dem nächsten Tag entgegengeblickt.

Die ersten Strahlen des neuen Tages weckten Arnvidh als ersten, der sich sodann zur Jagd begab und für einen guten Start in den Tag sorgte. Des Jägers Glück war ihm gewogen und als er zurückkehrte, herrschte bereits reges Treiben im Lager. So saß man zusammen, ließ den wohligen Geschmack des schwarzen Zaubertrunks seine Wirkung entfalten und verzehrte die Jagdbeute. Nach dem Frühmahl wurde das Lager wieder aufgeklart und jeder widmete sich Reparatur- oder Versorgungarbeiten. Acair, der geschickteste im Umgang mit der Axt, spaltete das Holz für die Feuer, seine Getreue Selena sorgte für eine bessere Absicherung der Schlafstätte, Mim gab sich der Stickerei hin und Arnvidh flickte seine Ausrüstung. Als die Sonne am höchsten am Zenit stand, verirrte sich der erste Besucher in das Lager. Martin, ein dem Lager Wohlgesonner, gab sich die Ehre und gesellte sich zu den Vieren. Mim, in die über Nacht der Schmerzteufel gefahren ward und ihre Schulter malträtierte, versuchte alles, um diesen loszuwerden und begann irgendwann im Lager und außerhalb rastlos auf und ab zu wandern. Dieses Ereignis wird irgendwann bekannt werden als „24 der Zeiteinheiten-Rennen von Arche Warder“. Die Linderung der Schmerzen fand sich dann schlussendlich, wie soll es auch anders sein, im süßen Trank der Götter. Und so begann man dann auch bald mit seinem Verzehr.

Es dauert nicht lange, da ereignete sich folgendes: Arnvidh, dem Mete frönend und auf der Banke sitzend, verlor das Gleichgewicht, man munkelt des Metes wegen, und kämpfte um Wiedererlangung desselbigen. Doch als er erkennen musste, dass dies ein unmögliches Unterfangen werden sollte, setzte er seine letzten Kraftreserven ein, um wenigstens den Humpen voller Met zu retten, was dann auch glückte. Der kostbare Inhalt gesichert, Arnvidh sich mit recht galantem Abgang am Boden wiederfindend und das Gelächter im Lager erschallte über den ganzen Platz. Bald fand sich dann auch ein recht seltsamer Besucher im Lager wieder, wohl angezogen vom Duft des Göttertranks. Eine Hornisse, die noch des Öfteren das Lager der Swadde Spoekelbiester aufsuchen sollte. Kein Wunder, der Met war ja auch köstlich und erquickend.

Doch lebt der Mensch nicht allein von der Sauferei und so wurde dann auch mit abnehmender Sonne die Tafeley zubereitet. Mim hatte für diesen Anlass die Schriften der Alten und Weisen gewälzt und ein Rezept gefunden, und schnell wandte sich jeder einer Arbeit zu, dass dieses auch gelingen sollte. Schließlich konnte man sich dem Werk hingeben und verspeiste den schmackhaften Reisgemüsetopf. Denket Euch Euren Teil, aber Luther daselbst sagte einst: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es nicht geschmacket?“ Ein nach dem anderen Humpen voller Met und Bier wurden gekippt und Acair sinnierte über einen Schlachtruf für die Swadde Spoekelbiester, und bald fuhr der Geist der Erleuchtung in ihn und wie von Sinnen gab er von sich: „Holz! Lust! Met!“ Worte, die noch in Walhalla nachhallen. Gegen Sonnenuntergang verabschiedete sich Martin, der noch in die Berge der Hexen reisen musste und kurz darauf wurde das Lager von einem weiteren Gast besucht: Helge, der sanfte Riese und wahrlich der meisterlichste Meister im Umgang mit der Axt, suchte die Truppe auf für einen gemütlichen Plausch. Schließlich wurden die einzelnen Lager vom Schein der Fackeln und Flammen erhellt, auch das der Spoekelbiester. Arnvidh, weiterhin dem Mete frönend, sorgte für die abendliche Belustigung im Lager, in dem er sein schauspielerisches Talent bewies und aus dem Stegreif ein Drama in drei Akten zum Besten gab. Ein Zwiegespräch mit einem Weidenkorb, das von Liebe und Trennung handelte und voller Herzblut vorgetragen wurde. Doch auch die schönsten und lustigsten Momente enden irgendwann einmal, und der Met geht zur Neige, und so endete auch dieser Tag tief in der Nacht.

Durch das Blöken der Ziegen und die Rufe der Esel wurde ein neuer Tag eingeleitet. Arnvidh, mit der Sonne erwacht, befand sich bereits auf der Jagd. Im Lager wurde bereits alles hergerichtet, damit die Jagdbeute sogleich verspeist werden konnte. Schon in den frühen Morgenstunden wurde den Swadde Spoekelbiestern gewahr, dass der bevorstehende Tag sehr heiß werden würde. Nach dem frühen Mahl und der Herrichtung des Lagers, begaben sich Mim und Arnvidh auf den Weg, um die Waren der angereisten Krämer zu begutachten. Selena und Acair hüteten derweil das Lager. Gegen Mittag, die Sonne fing just an ihre Stärke zu beweisen, kehrten die Marktbummler zurück, Arnvidh mit leeren Händen, Mim mit einem Rufhorn, hörbar bis an die Ufer der Elbe. Durch die Hitze und Windstille waren die Aktivitäten innerhalb des Lagers auf ein Minimum reduziert. Das ein oder andere bekannte Gesicht erschien im Lager um ein Pläuschen zu halten.

So unter anderem der Blaue Ritter, ein im Ruhestand befindlicher, ehrwürdiger Krieger aus vergangenen Zeiten der mit seinem Eheweib durch die Lande zieht. Und auch Merlin erschien überraschender Weise im Lager, im Schlepptau Clyde, einen liebenswürdigen Berner Sennen-Rüden, der trotz der Hitze nicht an sich halten konnte und viel lieber rumtollen wollte. Auch bekamen die Swadde Spoekelbiester Besuch von den Eltern des Acairs, die noch ein wenig Holz mitbrachten, denn Haben ist besser als Brauchen. Dann war es an Mim und Arnvidh das Lager zu hüten, während Selena, Acair und seine Eltern das Treiben auf den Handelsplätzen erkundeten. Gegen Abend, als die Besucher sich für den Heimweg rüsteten, wurde der restliche Reistopf vom Vortag verspeist, aufgrund der bestehenden Hitze entschied man sich für die kalte Variante. Auch kalt mundete es immer noch.

Kurz nach dem der Topf geleert ward, erschien ein Bote, der von einem Turney kündete. Nur die mutigsten und tapfersten Seelen hatten die Gelegenheit in einem Wettkampf eine Flasche voll himmlischen Mets direkt von den Göttern daselbst zu gewinnen. Arnvidh, kühn und neugierig, zögerte nicht lange und meldete sich an, Mim tat es ihm gleich. Und so zogen die beiden mit Selena als Unterstützung gen Turneyplatz. Dort waren die Kämpfe bereits in vollem Gange und ob der Anzahl der Krieger und Kriegerinnen würde es ein langer Wettkampf werden. Zu den Regeln des Wettstreites, der als Kistenschlacht bekannt: Zwei Krieger stehen mit verbundenen Augen neben einer Kiste. Beide legen ihre linke Hand auf die Kiste und dürfen diese von dort nicht mehr heben bis der Kampf vorbei ist. In die rechte Hand wird jedem Krieger ein leicht gefüllter Sack gegeben. Dann wird bestimmt wer anfängt. Der Beginnende stellt seinem Gegenüber die Frage, ob er ihn mit seinem Sack schlagen dürfte. Sobald der Gefragte mit Ja antwortet, muss er dem ankommenden Sackschlag ausweichen ohne die linke Hand von der Truhe zu nehmen. Wird er getroffen, muss er einen weiteren Schlagversuch über sich ergehen lassen, andernfalls ist er an der Reihe sein Können zu beweisen. Wer zuerst dreimal trifft, ist eine Runde weiter. Für die Swadde Spoekelbiester ging Mim als erstes an die Truhe und bewies außerordentliches Geschick im Umgang mit dem Sack. Auch das Können im Ausweichen war nicht zu verachten. Doch leider schied die gute Mim bereits in der ersten Runde aus. Also war es an Arnvidh vielleicht noch den Trank der Götter ins Lager zu holen. Mit Ruhe und Besonnenheit, vertrauend auf seine Jagdinstinkte, ging er mit zwei Punkten in Führung, doch leider ward das Glück auch ihm nicht hold und so blieb den Swadde Spoekelbiestern nur die Erfahrung und der Spaß an diesem unterhaltsamen Turney teilgenommen zu haben. Zurück im Lager beschlossen Selena und Acair noch einen Spaziergang in der lauen Sommernacht zu unternehmen. Mim und Arnvidh, Hüter des Lagers, wurden währenddessen durch wohlklingende Stimmen unterhalten. Die Gefolgschaft unter dem Banner „Vi er Venner“ gaben Volksweisen von sich und füllten die Nacht mit ihren bezaubernden Gesängen. „Adele“ wird uns immer in freudiger Erinnerung bleiben. Und so endete auch dieser Tag.

Der Beginn des dritten Tages unterschied sich nicht von dem vorangegangen Tagen. Zur Mittagszeit ging jeder seinem Tagewerk nach. Acair spaltete das Feuerholz, Arnvidh schnitzte an einem Holzbrettspiel, Mim gab sich der Kunst mit Nadel und Faden hin und bereitete mit Selena die Speis vor. Für die nächsten zwei Tage war eine Käsesuppe geplant, die beim letzten Treffen der Swadde Spoekelbiester großen Anklang fand. Als die Sonne am höchsten stand, erschienen Merlin und Endres, ein fahrender Krieger und Waffenbruder Arnvidhs, auch Carmen, eine Weggefährtin von Merlin und Mim fand den Weg ins Lager. Noch vor der Atzung begaben sich Arnvidh, Merlin und Endres auf die Handelsplätze und schlenderten durch die Lager. Der Seelenfänger Merlin nutzte die Gelegenheit und sperrte wieder ein paar arme Seelen in seinen magischen Kasten. Doch durch die brütende Hitze war dieser Ausflug von nicht allzu langer Dauer. Auch war das köstliche Mahl bereits fertig zubereitet und so speisten die Swadde Spoekelbiester und ihre Gäste gemeinsam eine abermals gelungene Käsesuppe. Der Topf wurde so weit ausgekratzt, man musste Angst um den Topf haben.

Die Feuer brennen und eine tolle Stimmung im, um und am LagerGegen Abend besuchte Mim den Blauen Ritter nebst Gemahlin, Selena und Arnvidh warfen Würfel und Acair wandelte sich zum Meister des Feuers. Die entzündeten Flammen müssen selbst in den schottischen Highlands zu sehen gewesen sein. Doch hatte dieses Spektakel seinen Preis. Die Flammen waren gierig und so schlug Acair ohne Unterlass das Holz und fütterte das gefräßige Tier. Doch der Anblick war es wert. Und dies müssen sich auch die Männer von „Vi er Venner“ gedacht haben, die mit einem Spiel im Lager auftauchten, dem sogenannten Schietspiel. Bei diesem Spiel ging es darum seine zuvor erhaltenden Holzstäbchen schnellstmöglich los zu werden, und seinen Gegenspielern unterzujubeln. Ein wahrhaft unterhaltsames Spiel. Schließlich kamen auch die Frauen in das Lager der Swadde Spoekelbiester und gemeinsam sang und lachte man bis spät in die Nacht.

Günter von Meldorf, der heilige Mann und Freund der Bienen, und seine Holde PetraDer Anbruch des letzten Tages, ein wenig Wehmut machte sich breit. Man wollte einfach nicht diese schönen Tage enden lassen. Aber alles nimmt ein Ende zu seiner Zeit, und auch andere Ländereien wollen heimgesucht werden. Am letzten Tage erhielten die Swadde Spoekelbiester abermals Besuch, diesmal von Günter von Meldorf, einem heiligen Manne und Freund der Bienen, und seiner Familie. Auch Martin, zurück vom Berge der Hexen, erschien im Lager und unterstützte beim späteren Abbau des Lagers. Acair und Arnvidh stromerten gegen Ende des Tages ein letztes Mal durch die Reihen der Händler, in der Hoffnung ein lohnendes Geschäft abzuschließen. Und ihre Mühen sollten belohnt werden. Messer und Scharniere wechselten die Besitzer, und die Geldbeutel wurden leichter. Bald darauf ging es an den Abbau. Mittlerweile geübt im Abbau, war dieses Unterfangen in kurzer Zeit vollbracht. Als alles verstaut war, die Kutschen beladen und die Pferde gesattelt waren, verabschiedete man sich von alten und neuen Freunden. Doch ein Wiedersehen wird gewiss sein.

Und so verstreute der Wind die Swadde Spoekelbiester erneut. Mim, Selena und Acair kehrten zurück nach Dithmarschen, heim in traute Gefilde. Arnvidh zog es nach Süden, an den Main, betraut mit einer Aufgabe, deren Erfüllung in nächster Zeit absehbar sein sollte. Der nächste Halt für die Swadde Spoekelbiester liegt in der Hansestadt, dort wird man erneut zusammenkommen, und feiern und lachen, als gäbe es kein Morgen. Heuer im neunten Monat heißt es in Öjendorf „Holz! Lust! Met!“. Kummet zahlreich und genießt die Kumpaney mit den Swadde Spoekelbiestern.

Und wenn es Euch beliebt, so schauet in die Seelenfängerey, dort gibt es die gesammelten eingefangenen Seelen aus Arche Warder zu sehen.

Gehabt euch wohl, werter Freund. Lebet lang, holde Maid.

4 thoughts on “Ah, meine Freunde, seyd mir willkommen

  1. Hochverehrte Spoekelbiester,

    es war mir eine Ehre, bei Euch zu Gast sein zu dürfen, und ich möchte hiermit die Einladung aussprechen, mich in meinem Lager auf den Märkten zu besuchen.
    Es ist nur ein kleines Sonnensegel, bestehend aus einer Bohlenwand, einem kleinen, aufgeklappten Keilzelt, aber dieser Ort steckt voller Geschichten, mitunter illustrer Gäste, scharfer Klingen, und ruppiger Gastfreundschaft.

    Kommt an meinen Stand, werft mit (fast) allem, was weh tut, und lasst uns einen auf das Wohl unseres Landes Dithmarschen, unserer Heerlager und all seiner Mitstreiter trinken – und nicht zuletzt auf ein schönes und erfolgreiches Meldorfer Markttreiben!

    Gruß
    Helge der Axtwerfer

  2. Ihr lieben Swadde Speokelbiester,
    liebste Mim,
    habt Dank für Eure Gastfreundschaft am letzten Tage in Warder.
    Wir genossen den Schatten in Eurem Lager.
    Es war Entspannung pur und ein schöner Tag „Auszeit“.

    Liebe Grüße
    Günter von Meldorf

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