Wohlgeschätzte Freunde …

… viel Wasser floss den Bach hinab, seit wir uns das letzte Mal trafen. Viel ist passiert und auch die Swadde Spoekelbiester waren nicht untätig. Die Sommermonate wurden genutzt um sich auf den grausamen Atem Väterchen Frosts einzustellen. So wurden Karren gebaut und repariert und die Holzvorräte aufgestockt. Doch hiervon soll diese Geschichte nicht erzählen, nein, lasst mich von der Pilgerreise in die Hamburger Landen erzählen. Die Reise begann bereits am Thorstag zum Ende des 8. Monats. Die Spoekelbiester fanden sich am Hof Selenas und Acairs ein. Die Kutschen und Karren mussten beladen werden, denn die Reise sollte im Morgengrauen des folgenden Tages beginnen. Es ward bereits dunkel, als die letzten Kisten aufgeladen waren. Nach dem gemeinsamen Mahl, studierten Acair und Arnvidh Karten, um eine sicheren und zügigen Weg zu finden. Schnell war man sich einig und ihre Route sollte abseits der grossen Handelswege führen. Dies schien ein guter Plan zu sein, um finsteren Gesellen aus dem Wege zu gehen, die gemeinhin als Strauchdiebe bekannt sind.

Mit dem Krähen der Hähne begann der Tag und die Reise an die Elbe begann im Regen, der sich jedoch verzog, sobald man die Grenzen der Dithmarschen passierte. Ohne Probleme kamen die Spoekelbiester voran, wurde ihre Reise nur durch versperrte Wege blockiert, die zu Umwegen führten. Zum Zenit der Sonne trafen die Swadde Spoekelbiester am See Öjendorfs an. Dort warteten sie zusammen mit anderen Pilgergruppen auf die Ankunft des Platzmeisters, Igor. Acair und Mim folgten Igor und suchten einen geeigneten Lagerplatz, Breanna, Selena und Arnvidh bewachten die Karren und Kutschen. Alsbald konnte mit der Aufstellung des Lagers begonnen werden. Die Arbeit ging schnell von der Hand, hatte man in diesem Jahre schon Erfahrung sammeln können. Als der Mond die Sonne ablöste, prasselte bereits das Feuer, das Fleisch wurde gebraten und der Met befeuchtete die trockenen Kehlen.

Der nächste Morgen begann mit dem alltäglichen Ritual der Zaubertrankverteilung. Gestärkt und munter begaben sich Breanna und Arnvidh zum Thing, welches Igor einberufen hatte, Mim, Selena und Acair sorgten derweil für die Aufklarung des Lagers und dessen Versorgung mit Feuerholz. Kurz vor dem Sonnenzenit öffneten die Händler ihre Stände, und ein reges Treyben begann auf den Wiesen. Menschen aus allen Ecken der Lande strömten herbei, Händler preisten ihre Waren an, Spielleut warteten mit fröhlichen Klängen auf. Es wurde gefeilscht, gelacht, getrunken und gesungen. Die herzhaften Gerüche bratenden Fleisches vermischten sich mit den süssen Düften getrockneter Früchte, auch gesellten sich fremdartige Duftnoten hinzu, die hierzulande für den einfachen Bauern gar unbekannt waren. Feinste Geschmeide und güldene Ketten lagen aus, ebenso wärmende Felle und todbringende Klingen. Breanna und Arnvidh nutzten die Gunst der Stunde und deckten sich mit Fellen ein. Um die Mittagszeit herum beehrten wohlbekannte Gäste das Lager der Swadde Spoekelbiester. Angeführt vom Seelenfänger und Endres, dem fahrenden Krieger, fanden Freunde und Bekannte sich ein, um zusammen einen guten Schluck (oder auch zwei) kühlen Mets zu geniessen. Ebenfalls kehrten Pilger des Banners „Vi Er Venner“ ein, ein befreundetes Lager, das man zu Arche Warder kennen lernen durfte. Zur 15. Stunde versammelten sich alle Pilger, um beim grossen Heerlagerumzug ihre Banner zu zeigen. Mim hütete das Feuer, während die anderen 4 für die Spoekelbiester einstanden. Der Umzug erstreckte sich über die gesamte Wiesenfläche, mehr als 1.000 Pilger bekannten Flagge. Ein wahrlich spektakuläres Bild das sich einem bot. Doch war nicht alles eitel Sonnenschein an diesem Tag. Als die Nacht hereinbrach, ertönte die Schreckensmeldung. Der Schwarze Tod sei zugegen, die Pest sei da um alle Sünder zu holen. Die Swadde Spoekelbiester sahen es als ihre Pflicht an, zu helfen, wo es nur ginge. So schnappten sie sich Fackeln und schlossen sich dem Pestzug an, dem schrecklichen Grauen ein Garaus zu machen. Viele Opfer waren zu beklagen, doch schlussendlich konnte die Gefahr gebannt werden. Spät in der Nacht, erschöpft von einem langen Tag, wurden die letzten Becher Mets und Bieres geleert, und man begab sich zur Ruhe, um dem nächsten Tag mit neuer Kraft zu begegnen.

Im leichten Nebel des folgenden Morgens erwachte das Lager und machte sich sogleich ans Tagwerk. Holz wurde gehackt, Zaubertrank gekocht und das frühe Mahl zubereitet. Zur Eröffnung des Marktes begaben sich Acair und Arnvidh und vertraten die Swadde Spoekelbiester. Unter den Augen Hunderter Besucher wurde die letzte Verfehlung eines Pilgers mit Teeren und Federn bestraft, der Tatbestand hing wahrscheinlich mit dem übermässigen Genuss des Mets zusammen. Auch wurde die Prozession unterbrochen von einem jungen Recken und einer kleinen Prinzessin. Markteröffner Bruder Rectus, ganz im Sinne seines Standes, fragte die Beiden, ob sie sich vermählen wollen würden, und der Recke, schlau wie es nur geht, gab Fersengold. Nach diesem unterhaltsamen Tagesbeginn, begaben sich Selena und Acair über den Markt, um die Waren der Händler zu begutachten. Mim und Breanna hielten ebenfalls Ausschau nach dem Ein oder Anderen Nützlichem. Auch der Heerlagerumzug des Tages stand dem des Vortages in nichts nach. Wieder ein gewaltiger Anblick, der sich dem Außenstehenden bot. Doch alles Schöne nimmt irgendwann ein Ende, so auch das Pilgerspektakel zu Öjendorf. Zu den Abendstunden hin wurden die letzten Reste vertilgt und die ersten Sachen verstaut, damit die Abreise vereinfacht würde. Zur 20. Stunde begannen die Swadde Spoekelbiester die Zelte abzureißen. Die Beladung der Kutschen erwies sich als mühseliger als auf der Hinreise, denn das Licht des Tages ward bereits gewichen, doch schlussendlich war alles verstaut und die Pferde wurden gesattelt. Spät in der Nacht fielen die Biester in der Domstadt Meldorf ein und luden die Kutschen und Karren ab. Doch ein erneutes Aufeinander treffen stand bereits wieder bevor, zumindest eines kleines Teils. Mim und Arnvidh nahmen alsbald eine Einladung eines Lagers an, doch dieses Abenteuer ist für einen anderen Abend bestimmt. So lebet lang und geniesset jede einzigen Moment. Die Schönheit des Lebens liegt meist in den kleinen Dingen.





Danke an unseren Seelenfänger für die Photos.

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